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29.11.2006 aufgerufen
Rittersteine

An vielen Stellen des Pfälzerwaldes, z. B. an Straßen, Wanderwegen, Parkplätzen, Weggabelungen, Lichtungen, Bergrücken oder im völlig abgelegenem Unterholz, findet man gelbe Inschriften auf rotem Sandstein. Meistens steht das Kürzel „P. W. V.“ unter der Schrift. Die Rede ist von den „Rittersteinen“. Das sind zumeist Sandsteinfindlinge unterschiedlicher Größe, die der Pfälzerwaldverein (PWV) im Gebiet des Pfälzerwaldes aufgestellt hat, es können aber auch ganze Felsen sein, die diese typischen Schriften tragen und die dadurch zu „Rittersteinen“ gemacht wurden. Der „typische Ritterstein“ ist also ein Sandsteinbrocken oder Felsen mit eingemeißelter Inschrift und dem Kürzel „P. W. V.“, dessen Schrift mit gelber Farbe nachgezeichnet wurde. Sie stehen an bemerkenswerten Örtlichkeiten, die man als solche oft gar nicht erkennt. Manchmal sind es nur wenige Steine die als Ruine einer untergegangenen Siedlung, einer Burg oder einer Schanze stehen geblieben sind, oder eine kleine Quelle die als Ursprung eines Flusses zu sehen ist, oder ein Wanderweg der zu Ehren einer bestimmten Person benannt wurde, oder es handelt sich um eine Wegkreuzung die im Volksmund einen bestimmten Namen trägt, oder es ist einfach nur ein Platz mitten im Wald, an dem vor langer Zeit eine Schlacht stattfand, oder, oder, oder... Diese Örtlichkeiten hat man in acht sogenannte Bedeutungsgruppen unterteilt. Diese wären: Orientierungspunkte, eingegangene Siedlungen, Kriegsschauplätze und Schanzen, Begebenheiten und Legenden, Holzwirtschaft und Holzflößerei, Forst und Jagdbetrieb, Viehwirtschaft und Wolfsplage, Industrie im Pfälzerwald und Ehrungen von Persönlichkeiten. Je nach den örtlichen Begebenheiten lauten die Inschriften auf den Steinen z. B. „Ahlmühle“, „Am Zwiesel“, „Birkenhördter Linde“, „Drei Männer Weg“, „Eselsschleif“, „Eusserthaler Klostergut“, „Haingeraide-Loogfelsen“, „Lolosruhe“, „Prinzenweg“, „Ruine Badisches Jagdhaus“, „Saarbach-Ursprung“, „Spurrille“, „Tiergarten“, „Wetzbrunnen“ und viele weitere mehr. Leider befinden sich in den seltensten Fällen erklärende Informationstafeln vor Ort, bzw. ist außer dem „Ritterstein“ nichts weiter zu sehen. Die „Rittersteine“ befinden sich auf einer Fläche von ca. 1800 km², die meisten innerhalb des Pfälzerwaldes, einige gehen über seine Grenzen hinaus. Dabei steht der nördlichste Ritterstein in 67307 Göllheim, Nr. 295 („Zweikönigsschlacht“). Der südlichste bei St. Germanshof, Nr. 1 („Trift-Holzhof“). Die Entfernung zwischen den beiden Punkten beträgt ca. 63 km (Luftlinie). Der westlichste Ritterstein steht bei 66957 Eppenbrunn, Nr. 37 („R. Kaleseyerhof 1855“) und der östlichste Stein bei 67157 Wachenheim an der Weinstraße, Nr. 268 („Hexenstein PWV Wachenheim 1981“). Sie liegen ca. 55 km (Luftlinie) auseinander. Im Jahre 1908 beschloß der PWV Markierungssteine aufzustellen, um auf diese besonderen Örtlichkeiten hinzuweisen. Maßgeblich beteiligt an diesem Beschluß und an seiner Umsetzung waren Herr Professor Dr. Daniel Häberle (*08.05.1864 - +09.06.1934) und Herr Karl Albrecht von Ritter (*10.03.1836 - +23.05.1917). Beides Vorstandsmitglieder des Pfälzerwaldvereins und leidenschaftliche Wanderer. Besonders bei der Standortwahl tat sich von Ritter hervor, weshalb die Hauptversammlung des PWV im Jahre 1912 beschloss, die Findlinge ihm zu Ehren, „Rittersteine“ zu nennen. Der Name hat also nichts mit den Edelleuten des Mittelalters zu tun. Seit 1910 wurden insgesamt 306 dieser Steine aufgestellt. Sie werden auch heute noch vom Pfälzerwaldverein gehegt und gepflegt, was nicht immer ganz billig ist, da z. B. auch ein Steinmetz für Ausbesserungsarbeiten benötigt wird. Eine weitere Aufstellung von „Rittersteinen“ wurde aus Kostengründen vorerst gestoppt. Eine komplette Auflistung aller „Rittersteine“, dazu die genaue Lage mit den Gauß-Krüger Koordinaten und die dazugehörige Geschichte, findet man in dem Büchlein „Rittersteine im Pfälzerwald“ von Walter Eitelmann - ISBN 3-00-003544-3. Wir haben uns zum Ziel gesetzt jeden dieser Steine zu finden, ihn zu fotografieren, seine genauen GPS-Koordinaten festzustellen und zu dokumentieren. Sie haben hier jetzt die Möglichkeit unsere Ritterstein-Datenbank (die sich erst noch im Aufbau befindet), der Reihe nach durchzublättern, oder nach einem bestimmten Stein zu suchen.

P.S. Die Jahreszahl im Feld "Erbaut", rechts neben dem Bild, bezieht sich auf das Aufstellungsjahr des Rittersteins.

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